Wir in der Sendung Natur im Garten (---> klick)

18. November 2016

All der Dreck... und nur zur Freude?

Gärtnern ist ein angesehenes Hobby, in Jahreszeiten, wo es grünt und blüht. Kaum kriechen die ersten Blüten aus dem Boden, entdecken viele Leute ihre Liebe fürs Botanische und solidarisieren sich, indem sie mich fragen, ob es bei mir auch schon etwas zu sehen gäbe. Das finde ich nett und erzähle, wie lange es hier schon bunt ist und was alles erscheint und wie viele Kubikmeter Schnittgut ich schon gehäckselt habe, was ich noch vorhabe und wo ich bald das nächste Beet renovieren, von Winden befreien oder sogar komplett neu anlegen werde - aber schon hier wird es den meisten zu viel, die Realität in Form von Erde in den Haaren, Schweiß und Anstrengung überlagert ihre Freude an den Blüten und sie sind froh, selber "nur ein paar Schneeglöckchen" zu haben.

Boehmeria tricuspis im Schatten

Schlimmer noch ist es jetzt im Herbst. Smalltalk mit der Gartenfrau startet im Herbst stets mit der Einwinterungsfrage: "Und, schon alles winterfest?" Mein Stirnrunzeln und das Reden von "Verblühtem" und "schön" in einem Satz und "welk" und "Raureif" und "Stehenlassen" und "Schnitt im Frühling" verwirrt die meisten; manchmal überfordere ich meine Gegenüber offenbar auch, wenn ich von Laub zu schwärmen beginne und von Kompost. Bestimmt lächeln sie nur mir zuliebe und geben ihrem inneren Ich High-Five, weil sie sich so einen Murks nicht antun müssen - manchmal schimmert sowas durch, bei aller Freundlichkeit und positiver Ökobeteuerung.


Eupatorium maculatum 'Bartered Bride' und Rudbeckia nitida 'Herbstsonne'

Nun ist es natürlich schon spannend, warum ich das alles wirklich so gerne mache. Denn das tue ich, und nicht nur saisonal - wenn ich jetzt die im Gegenlicht leuchtenden Samenstände sehe, dann rede ich sie mir nicht schön, weil das einfacher ist, als sie roden zu wollen und nicht zu können, weil alles so matschig ist, dass man beim Versuch im Boden steckenbleiben würde - nein, ich finde sie wirklich schön, im besten Sinne, ich bekomme sogar regelmäßig dieses Herzklopfen-Gefühl, wenn mir etwas so gut gefällt, dass ich ganz, ganz stark hoffe, dass auch die Fotos danach aussehen werden. Im Frühling etwa, wenn die ersten Blüten erscheinen, knipse ich immer wie irre und freue mich so sehr, dass ich das Gefühl habe, unbedingt allen zeigen zu müssen, was mir so gefällt.

Boehmeria platanifolia

Leider zeigen die Bilder dann oft gnadenlos die Realität: Vier zerknautschte, weiße Blüten in einem riesigen, leeren Beet. Niemanden reißt sowas vom Hocker, das muss ich dann sogar selbst zugeben - und auch Leute, die ich dann in den Garten schleife, weils mit den Fotos ja nicht klappt, sind dann meist etwas irritiert. Nur wirkliche Gartenfreaks, und zum Glück kenne ich einige davon, sind auch im Winter für den Garten zu begeistern. Für alle, die Blumen grad so mögen und gerne draußen sind, mag es absurd erscheinen, wie jemand im Dezember stundenlang Zeit in den Beeten verbringen kann - aber das geht, sehr leicht sogar. Man sieht ja immerhin, was wo wächst und kann sich denken, wie es dort im Sommer aussieht. Gartenleute haben nur Probleme mit völlig leeren Gärten - gib ihnen ein zermatschtes Beet, schon blüht und summt es vor ihrem inneren Auge.

Miscanthus '´Federweißer', Molina 'Transparent' und Aster novae-angliae 'Herbstsonne'

Genau deshalb mag ich meine welken Beete so sehr - es ist halt manchmal eine etwas einsame Freude. Und natürlich ist der Winter nicht meine liebste Zeit im Jahr, wohl aber der Frühling, der direkt danach kommt - und der wäre nur halb so schön, wenn man nicht doch einige Zeit auf ihn warten müsste. Ich wintere den Garten also nicht ein, sondern warte in ihm werkend und herumgrabend darauf, dass wieder etwas blüht. Deshalb schneide ich die Beete auch erst im Februar oder März runter und im Idealfall gibt es gleich danach Blüten, und die eingelegten Zwiebelpflanzen treiben aus und die Schneeglöckchen sind zum Teilen und es muss gehäckselt werden und so weiter. Darauf freue ich mich schon. Vermutlich also mag ich den Garten, weil es immer, immer weitergeht, weil immer etwas Neues erscheint und man sich niemals verlassen kann, dass es wieder so aussieht wie vor einem Jahr; meist schaut es anders aus, aber schöner und wenn nicht, dann gräbt man um.

Denn im Garten kann man ändern, was stört und man kann ausreißen, was wegsoll - oder hoffen, dass es im Frühling dann gar nicht mehr stört. Und vor allem kann man planen, Idee verwerfen, Überlegungen anstellen, diese dann umsetzen und dann kann man wieder planen. Eigentlich also, ist es dann am schönsten, wenn man gerade gestaltet - und dazu ist im Winterhalbjahr genug Zeit. Daher: Kein Einwintern, sondern sich selbst einpacken und los gehts! Keine Blüten lenken ab, kein Trieb kann zertreten werden und sobald man gräbt, ist jede Jahreszeit vergessen. Denn das eigentliche Problem des Winters ist nicht seine Blütenlosigkeit, sondern die Tatsache, dass der Garten uns, nach Unmengen an Laub innerhalb weniger Wochen, nun keine mehr Arbeit aufdrängt; kein Wunder, dass niemand diese Jahreszeit mag. Aber niemand hält uns auf, kreativ zu sein. Solange der Boden nicht gefroren ist, kann überall gegraben werden, wo man selber grade möchte. Der Frühling kommt früh genug ;-).

Eupatorium Vernonia, Molinia, Leucanthemella

Falls jemandem im Winter doch fad werden sollte: Man findet mich jetzt auf Instagram - und ich freue mich, euch auch dort zu begegnen!

24. Oktober 2016

Herbstfärbung und späte Blüten

Nur weil es Herbst ist, muss es im Garten noch lange nicht langweilig sein. Einige Stauden sind gerade jetzt erst in Blüte gegangen, andere begeistern mit ungewöhnlicher Herbstfärbung oder interessanten Überresten. Wie im Frühling muss man nun etwas genauer hinschauen: Dann entdeckt man täglich etwas Neues.

Rabdosia effusa, auch unter Isodon effusus im Handel, ist eine unkomplizierte Staude für den Halbschatten, die nach spätem Austrieb den ganzen Sommer auf die spätherbstliche Blüte hinarbeitet. Man sollte sie daher so pflanzen, dass man auch wirklich in den Genuss dieser hübschen, flirrend-winzigen, blauen Blütchen kommt.

Im Bienen-Stauden-Beet sind noch immer viele Blüten zu finden. Mich begeistert vor allem die hellrosa Chrysantheme 'Hebe', die es geschafft hat, mich für Chrysanthemen im Allgemeinen zu interessieren - was es da vielleicht schöne Sorten gibt! Und bei weitem nicht alle sind bommelig-voll, es gibt einige, die wie aus der Jahreszeit gefallene Margeriten leuchten und in vielen Beeten gute Figur machen würden. Was auch noch schön anzusehen ist, sind die Staudenknöterich-Sorten, hier der rote 'J.S. Caliente' und der weiße 'Fat White' - und mein weißer Borretsch!

Im alten Kiesbeet am Haus verwischen jetzt verdorrte Gräser, gilbende Euphorbien, weiße Wucherastern und Samenstände von Cephalaria gigantea zu einem schönen Herbstensemble. Ich mag diese erdigen Farben, die glitzernden Reste der Gräserblüten und das dunkle Braun von Spodiopogon sibiricus, einem robusten Gras - aber ich muss schnell sein, weil Mama meist um diese Zeit im Jahr alles wegschneidet, was "nicht mehr schön ist" ;-).

Die Wildrosen tragen viele kleine Hagebutten, die den Winter über leuchten.

Im Schatten erscheinen nun nach und nach die Frühlingscyclamen - jedes Jahr sind neue Sämlinge dabei, die wieder ganz anders aussehen als die Mutterpflanzen.

Im Beet unterm Apfelbaum kehrt nun langsam Ruhe ein. Die Boehmeria- und Polygonatum-Gruppen haben dieses Jahr als erste eingefärbt.

Gegenüber schaut es noch geordnet aus. Die silbernen Samenstände der Mondviole leuchten im Abendlicht, davor sorgt ein schon altes Exemplar des grünen Japanwaldgrases für Ruhe im Bild. Rechts blüht eine Rudbeckia triloba seit Wochen unermüdlich. Sie hat sich dort ausgesät und ich hätte nicht gedacht, dass sie sich im Schatten so gut entwickelt.

Am Teich blüht nun Chinaschilf, Hosta 'Sum and Substance' ist schon in den Herbst gegangen und am Staudenknöterich leuchtet die zweite Generation Blüten, die jedes Jahr von der Mitte her erscheint, sobald es im Herbst kühler wird.

Wer spät im Jahr noch farbige Beete haben möchte, muss Rudbeckia triloba mit Astern und späten Goldruten, wie etwa 'Fireworks' kombinieren - so bleibt es bunt bis zum Frost.

16. Oktober 2016

Blüten im Oktober - Beete

Solange es im Herbst nicht friert, ist es auch im Garten noch bunt. Neben zahlreichen Astern finden sich noch viele weitere blühende Stauden, die in den Beeten für Farbe sorgen - neben Gräsern, welken Silhouetten und den Strukturen, die von vielen Pflanzen noch übrig sind.

In dieser Jahreszeit ist es besonders wichtig, beim Rückschnitt nicht alles wegzunehmen, sondern feste Elemente, die haltbar sind und den Charakter eines Beets unterstreichen, den Winter über stehen zu lassen. Alles zerfallende, beim ersten Frost sicher matschige, darf entfernt werden - wenn es stört. In einigen Beeten greife ich bewusst nicht ein oder sie sind noch immer so dicht, dass ein Rückschnitt nur unschöne Lücken schlagen würde. Dort werde ich erst im Februar aktiv werden.

Das Kiesbeet ist jetzt noch immer eine Pracht. Ich mag die reduzierten Farben und die klaren Formen der niedrigen Stauden. Der Teppich aus halbkugeligen Pflanzen erinnert an Pflanzengesellschaften in heißen und trockenen Regionen, er wirkt auf mich ein wenig wie Macchia. Blüten bieten Aster novae-angliae 'Purple Dome', Calamintha nepeta und Erigeron karvinskianus sowie einzelne Nachblüten anderer Stauden (Origanum, Erodium,...).

Gut entwickelt hat sich Panicum orientale 'Karley Rose'. Ich habe zwei kleine Töpfe im September 2015 gepflanzt und diese beiden großen Büsche erfreuen mich nun schon seit Anfang Juli mit ihren Blüten. Sie haben ständig noch weitere nachgebildet, was sehr schön ist, da nur die neuen Blüte rosa schimmern, wenn sie älter werden vergilben sie.

Im Beet mit den Herbstblühern summt es noch immer von all den Bienen. Die letzte Pflanze, die erblühen wird, ist Chrysanthemum 'Hebe', die hier im Bild rechts außen zu sehen ist. Chrysanthemen hatte ich lange nicht im gärtnerischen Blickfeld, weil ich sie nur als Topfware für den Friedhof kannte. Tatsächlich gibt es aber dutzende hübsche Sorten für den Garten, von denen einige (für Fans?) immer noch den gefüllt-puscheligen Cemetery-Schick tragen, andere hingegen sind kleinblütiger oder sogar ungefüllt und sehen aus wie Margeriten, die im November blühen.

Die Zeit der Leucanthemellas ist vorbei, aber inmmitten der Großstauden bilden sie einen sehenswert hellen Bereich und fügen sich ins herbstliche Farbkonzept gut ein. Ich mag solche Motive; sie zeigen die schönsten Farben des ganzen Jahres: Bunte Tupfer, gegensätzliche Formen und ein bisschen schon den Ton der Stängel, die in wenigen Wochen von allem übrigbleiben werden.

Im richtigen Licht leuchtet alles aber noch ganz frühlingshaft. Dazu trägt Campanula lactiflora bei, die ich in einer kurzentschlossenen Aktion schon diesen Juli runtergeschnitten habe. Sie fällt jedes Jahr um - und die Lösung ist ganz offenbar ein beherzter Rückschnitt bis ganz hinunter, denn dann gibt es eine sehenswerte Nachblüte im Herbst - etwas aus der Jahreszeit gefallen, aber farbig und im Kontrast mit der Umgebung leuchtet vor allem das neue Laub enorm.

Und diese hier sind natürlich auch unterwegs: Admirale, die an den Astern saugen und die letzten warmen Sonnenstrahlen genießen.


26. September 2016

Das Bienen-Stauden-Beet

In einem schon ziemlich vollen Garten wie unserem ist es ein Glücksfall, Platz für ein weiteres Beet zu finden - und zwar genug Platz, um ein Beet völlig neu anlegen zu können. In diesem konkreten Fall befand sich quer am Ende der Zufahrtsstraße zum Haus ein vernachlässigtes Gehölzbeet mit einigen Sträuchern aus den Gartenanfängen. Wir wares es so sehr gewöhnt, dass wir es nicht weiter hinterfragt haben, bis mir dann der Einfall kam, es doch einfach neu zu bepflanzen.

Einmal darüber nachgedacht, war uns schleierhaft, wie dieses nichtssagende grüne Beet so lange mitten in unserem Garten hatte überleben können. Mama schnitt noch in der selben Woche alle Sträucher ab und schon im November machte ich mich an die Pflanzlisten.

So sieht das Beet gerade aus - es ist ständig von Bienen durchschwirrt und der Blickfang, wenn man zum Haus kommt.

Dabei war von Anfang an klar, dass hier Pflanzen unterkommen sollten, die anderswo im Garten bisher zu kurz gekommen sind oder nicht die nötige Bühne bekommen hatten. Und es sollte etwas für die Bienen sein, die ab dem Hochsommer in den Wiesen kaum mehr etwas finden und sich im Garten über jede Blüte freuen. Und dann waren da noch einige Lieblingspflanzen, die natürlich auch mit rein sollten.


Der erste Plan war daher voll mit großartigen Stauden - aber dafür hätte das Beet dreimal so groß sein müssen. Falls ich jemals solche Dimensionen bepflanzen sollte, habe ich genaue Vorstellungen, was in so ein Beet kommen kann; für diese Zwecke war eindeutig zu viel vorgesehen. Vermutlich hätten alleine drei Wasserdost die Szenerie gefüllt, doch die wachsen schon an drei anderen Stellen im Garten, es ist also eindeutig genug Wasserdost vorhanden. Und so ähnlich ging es mir mit einigen anderen Stauden. Schlussendlich blieb nur ein kleiner Rest, ergänzt um andere, übrig:

Astern (hauptsächlich A. noviae-angliae)
Borago officinalis 'Alba'
Calamagrostis brachytricha (var. koreana)
Chrysanthemum 'Hebe'
Calamagrostis 'Waldenbuch'
Deschampsia cespitosa 'Goldtau'
Digitalis ferruginea
Foeniculum vulgare 'Rubrum'
Kalimeris incisa 'Madiva'
Lythrum salicaria
Miscanthus 'Federweißer'
Molinia 'Transparent'
Patrinia scabiosifolia
Penstemon digitalis
Persicaria amplexicaulis 'JS Caliente', 'Fat White', 'White Eastfield'
Pseudolysimachion longifolium 'Hermannshof'
Sanguisorba (ein sehr großer, rosa Sämling)
Senecio fuchsii 'Doria'
Sisymbrium strictissimum
Veronicastrum (verschiedene)

Hier haben wir am 30.Jänner bei herrlichem Gartenwetter und mit maschineller Unterstützung die schon abgeschnittenen Gehölze gerodet. Leider waren auch viele Wurzeln mit drin im Beet, sodass wir die Fläche mehrfach durchgraben mussten.

So lag das Beet dann vor uns.

Im Laufe des März haben wir das Beet dann mit Erde aufgefüllt und Papa hat die Kanten nach vorne hin, auf den asphaltierten Vorplatz, gesetzt. Am 10. April schließlich habe ich das Beet gepflanzt. Einige Stauden konnte ich aus dem Garten nehmen und sie hatten entsprechende Größe, einige andere wurden gekauft.

Einiges habe ich auch geschenkt bekommen, man sieht aber, dass ich vernünftigerweise nicht alles ins Beet hineingestopft habe ;-). Einige Schneeglöckchen, die ich geschenkt bekommen hatte, haben dann auch noch ihren Weg ins Beet gefunden, ich bin gespannt, wieviele von ihnen im Frühling blühen werden.


Am 21. Mai war das Beet dann schon einigermaßen eingewachsen. Die größeren Stauden aus dem Garten, etwa Molinia links hinten oder vorne das grüne Büschel, ein Teil meiner vorhandenen Kalimeris, wuchsen ohne zu Zögern los. Wir mussten das Beet nur ein paar Mal gießen, denn das Wetter war meist regnerisch.

Anfang Juni, am 8.6., begann mit dem weißen Borretsch, ein Zufallsfund im Garten bei meiner Wohnung, die erste Bienenpflanze zu blühen. Weil der Garten um diese Zeit voller Blüten ist, habe ich das Beet für diese Jahreszeit nicht besonders blütenreich geplant. Für die kommende Saison werde ich Kugellauch in Weiß und Rosa pflanzen und für vorher ein paar rote Tulpen.

Wenige Wochen später, am 19. Juni, sind einige Pflanzen schon deutlich in die Höhe gewachsen. Und dazu gibt es Blüten an der Rauke (Sisymbrium), die von den Bienen in großer Zahl beflogen werden. Dazu zeigt sich der Bartfaden, ebenfalls ein Geschenk und äußerst üppig gewachsen.

Am 6. Juli blüht die Rose der Nachbarin, bei mir zeigten die blauen Ähren von Pseudolysimachion erste Farbe und lockten die Bienen. Darüber hinaus ist alles noch in Grün getaucht.
Nach dem Urlaub, am 24.August, war das Beet schon wie verwandelt: In der ersten Reihe war ein Blutweiderich angeflogen und hatte sich im ersten Standjahr wunderbar entwickelt. Links war Kalimeris 'Madiva' schon Wochen in Blüte, direkt dahinter zeigte das gelbe Greiskraut wunderbare Dolden in Gelb. Kurioserweise hatte ich es beim Einpflanzen mit der davon stehenden Aster glehhnii 'Agleni' vertauscht, die nun als riesiger grüner Busch im Bild steht (ich werde sie im Frühjahr die Plätze tauschen lassen). Im Hintergrund waren inzwischen der Wiesenknopf und Miscanthus 'Federweißer' erschienen, letzterer ein Geschenk von einem Gartensfreund und ja, es ist die schönste Miscanthus-Sorte, die ich kenne!

Am 7. September waren die Blüten vom Greiskraut, vom Borretsch, Fenchel und anderen Geschichte und die Astern waren gerade noch nicht soweit, obwohl ihnen die Bienen schon ständig ungeduldige Kontrollbesuche abstatteten.

Und gestern schließlich, am 25.September, stand das Beet in Vollblüte. Die gelben Blüten des Topinambur gehören zum Nachbarn und fügen sich so herrlich ins Bild, dass ich mir für dort eine gelbe Staude werde überlegen müssen, falls die Nachbarn dem Topinambur doch einmal zu stark zu Leibe rücken. Die beiden riesigen weißen Wolken sind links Aster glehnii 'Agleni' und rechts Aster noviae-angliae 'Herbstschnee'. Dazu die roten Blüten von Persicaria 'JS Caliente' - ich bin durch und durch zufrieden!

Wie sich das Beet weiterentwickelt, da bin ich auch gespannt. Die Astern werde ich rechtzeitig verkleinern, damit sie nicht alles andere zudecken, dazu werden, wie erwähnt, ein paar Zwiebelblumen ergänzt. Bestimmt sind die Gräser kommendes Jahr größer und auch die Ehrenpreis werden eine stärkere Rolle spielen. Für den Herbst erwarte ich noch eine rosa Wolke aus der Chrysantheme 'Hebe' - und der Winteraspekt wird ebenfalls nicht zu unterschätzen sein. Bestimmt wird alles ganz anders als geplant und eventuell werde ich vorne, zwischen den Knöterichblüten, noch zwei Gräser unterbringen. Es wären dort zwei Deschampsia gewesen, aber diese wurden im feuchten Sommer Opfer eines Pilzes und haben sich nicht mehr erholt.

Davon absehen hat sich aber alles wunderbar entwickelt - wenn man bedenkt, dass zwischen dem Pflanzen und dem gestrigen Bild bloß fünfeinhalb Monate liegen...

23. September 2016

Voller Blüten Richtung Herbst

Im Garten beginnt jetzt, mit dem Herbstanfang, noch einmal eine sehr bunte, üppige Zeit. Das verwundert viele, dabei könnte der Effekt mit noch mehr Astern deutlich verstärkt werden. Nachdem ich mir vergangenen Sommer vorgenommen habe, noch mehr von ihnen in Beete zu pflanzen, ist es nun schon deutlich farbiger geworden. Ausbauen könnte man diesen Effekt mit verschiedenen Goldrutenarten (einen lesenswerten Artikel gibt es dazu gerade in der Gartenpraxis) sowie noch mehr Knöterich. Dieser entwickelt sich bei uns so prächtig, dass sich mittlerweile in fast jedem Beet einer befindet.

Das Beet gegenüber vom Haus (Vordergrund) wird besonders gut gepflegt, weil man es ständig sieht und auch, weil es voller Schneeglöckchen ist - daher wird es im Winter als erstes geschnitten; heuer habe ich außerdem einen Teil umgestaltet und von Giersch befreit (ja, den hab ich leider, und zwar überall). Dass es trotzdem nicht ganz leer ist, verdanke ich den Astern und den Umstand, dass ich recht kontrolliert gerodet habe (das ist schwerer als Kahlschlag, weil man ständig aufpassen muss, nichts mitauszureißen, das man eigentlich behalten möchte). Die schneeweißen Leucanthemellas im Beet im Hintergrund erfreuen mich jedes Jahr, sie sind einfach großartig und dazu robust, konkurrenztolerant und unkompliziert. Nur der Sommer letztes Jahr hat sie etwas ausgebremst.

Das gleiche Beet, nur das andere Ende und früher am Tag: Dort habe ich schon im Frühling umgestaltet, es war eine der ersten Aktionen im Februar und ich bin sehr zufrieden. Der wunderschöne rote Knöterich ist 'Blackfield', den ich seit 7 Jahren habe und der nirgends wirklich Fuß fassen kann. An dieser Stelle wird er jetzt noch am schönsten. Daneben blüht eine Glockenblume (Campanula lactiflora) noch einmal, nachdem ich sie im Hochsommer aufgrund akuter Umfalleritis nicht bloß zurück-, sondern komplett abgeschnitten habe. Das sollte ich wohl jedes Jahr tun, bislang hatte ich Angst vor dem riesigen Loch, dass sie temporär hinterlässt - aber das wächst schnell wieder zu.

Im Schotterbeet werden die Blüten nun weniger - aber die lila Herbstaster in der Mitte des Bilds ist noch ausstehend. Ich freue mich schon, wenn 'Purple Dome' loslegt!

Hier blüht sie schon, zusammen mit einer hellblauen Aster, deren Namen ich vergessen habe. Links daneben wächst Calamintha nepeta, die Steinquendel, ein Bienenmagnet und Dauerblüher den ganzen Sommer über.

Bunt ist es auch noch im Kräuter- und Duftbeet von Mama. Verschiedene nicht winterharte Salbeipflanzen beginnen erst jetzt mit der Blüte, dazu kommen Verbena bonariensis, Monarden, Wicken, Fenchel, Dill und rote Melde. Ein toller Mix - ich bin schon gespannt, wie es kommendes Jahr aussehen wird!

Im unteren Bereich des Gartens ist es nun eher grün. Der Teich, den ich hier viel zu selten sehe, fassen viele Gräser ein, er sieht aus wie ein natürlicher Tümpel, der inmitten von Wiesen liegt. Die Beete rundherum sind in Hinblick auf die Frühlingswirkung gepflanzt und hatten mit Phlox den letzten Blütenflor - immer, wenn ich noch etwas reinpflanzen möchte, grabe ich Frühlingsblüher aus. Der untere Gartenbereich darf also von Spätwinter bis Hochsommer wunderschön sein, danach geht er in seine wohlverdiente Pause... mit Winden überwuchert, von Goldnesseln durchsetzt - aber irgendwo darf es auch mal wild sein.

Ich wünsche euch schöne Frühherbsttage mit Morgentau und warmen Nachmittagen! Meine nächsten Tage werden mit dem Vergraben von Blumenzwiebeln gefüllt sein... wenn man dazu bloß nicht in die vollen Beete kriechen müsste!

20. September 2016

Pflanzen am Naturstandort (3) - Gentiana asclepiadea

Diese im gesamten Alpenraum und auch darüber hinaus recht weit verbreitete Enzianart blüht vom Spätsommer bis in den Herbst hinein. Sie hat lange, bogig überhängende Triebe, an denen die Blüten an der Oberseite sitzen und nach vorne schauen - eine ganz eigenartige Wuchsweise, die innerhalb der Art auch variiert: So gibt es aufrechte Exemplare, welche mit gewohnt kreuzgegenständigen Blättern, aber auch welche, bei denen das Laubwerk tatsächlich gegenständig ist.

Klassische, überhängende Wuchsform
Der Schwalbenwurzenzian wächst auf feuchten bis nassen Stellen besonders gern, aber da, wo er vorkommt, ist er nicht sehr heikel und ist auch an trockeneren, bisweilen auch sehr steinigen und sonnigen Stellen zu finden. Wurde Wald abgeholzt, kann er auch mitten in der Sonne überleben - aber Sämlinge finden sich dann nur wenige.



Am besten wächst er aber an feuchten, halbschattigen Stellen, wo er von Fuchsgreiskraut (Senecio fuchsii), Eupatorium cannabinum und Solidago virgaurea, der heimischen Goldrute, begleitet wird. Alte Pflanzen können beeindruckende Ausmaße annehmen!

Hier sieht man drei aufrecht wachsende Pflanzen - in den hiesigen Beständen offenbar nichts Ungewöhnliches.


Einige Exemplare blühen sehr dunkel; wenn man etwas Glück hat, findet man auch rosa und weiß blühende Pflanzen sowie welche in hellem Blau. Im Gebirge kann die Pflanze bis auf etwa 2000m Seehöhe wachsen - in der von mir besuchten Region reichte das Vorkommen etwa bis 1500m, danach wird es zu steinig und mit dem Humus fehlt auch die Feuchtigkeit.


Im Übrigen mögen es die Enziane allgemein zwar sauer bevorzugen, der Schwalbenwurzenzian ist dabei eine Ausnahme und mag Kalk. Das hält ihn aber nicht auf, auch in Mooren vorzukommen - wohl einer der Gründe für seine weite Verbreitung, denn heikel ist er sicher nicht. Auch dichter Nachbarbewuchs scheint ihm nichts auszumachen - die Pflanzen blühen so spät, dass ihnen die volle Aufmerksamkeit der Bestäuber sicher ist und ihr Wuchs trägt dazu bei, andere Pflanzen zu überragen oder zu verdecken.


Hier eine klassische Gemeinschaft in einem alten, unterholzlosen Fichtenwald. Zwischen Farnen, Solidago virgaurea und Helleborus niger fühlen sich auch die Enziane wohl. Wenn es sehr dunkel ist, breiten sie die Stängel eher aus und diese wachsen auch länger (bis zu einen Meter lang), in der Sonne bleiben sie niedriger. Ob sie aufrecht oder überhängend sind, war zumindest an diesem Standort keine Frage des Lichts!



Kühe fressen den Schwalbenwurzenzian nicht. Sie futtern so knapp rund um die Enziane herum, dass diese wie Blumensträuße in den Weiden übrigbleiben und weithin leuchten. Dieser besondere Umstand ist auf ihren bitteren Geschmack zurückzuführen - man denke an den sicher heilsamen, aber leider auch unerfreulich grausigen Enzianschnaps aus der Wurzel von Gentiana lutea.

Hier die schattigeren Randbereiche seines Lebensraums - ein alter Fichtenwald im Bereich Großer Pyhrgas und Scheiblingsstein (südliches OÖ, Haller Mauern).

Auf einem abgeholzen Hang sind interessante Motive entstanden - ganz von selbst, aber durchaus anregend für Gartenbereiche.

An sonnigeren Stellen und wo es feucht genug ist, bildet Eupatorium cannabinum große Büsche, deren Blüten zahllose Insekten und vor allem Schmetterlinge anlocken. Sie sind im Spätsommer eine willkommene Nahrungsquelle, auch für Honigbienen.

An einigen Stellen ist der Boden trotz Kalkuntergrunds so sauer, dass sogar Heidelbeeren vorkommen.

Und hier ein Bild vom Weg auf unser eigentliches Ziel, den Scheiblingstein (Blick nach Osten über die Fortsetzung der Hallter Mauern Richtung Gesäuse).

Übrigens ist der Blog heute 5 Jahre alt geworden - das habe ich ja komplett verpasst! Die passenden Überraschungen dazu gibts dann im Frühling :-)