7. März 2013

Galanthus vermehren

Jeder Frühling ist verschieden und die letzten Jahre haben uns ein wenig verwöhnt, was den Zeitpunkt der ersten Gartenarbeiten anging. Wer also heuer schon nervös im Matsch scharrt oder etwas verzweifelt alle halbe Stunden den Tauvorgang auf seinen Beeten beäugt, darf nicht vergessen, dass es schon spätere Jahre gab als dieses. Zumindest am Alpennordrand liegen wir gut in der Zeit und auch der kommende Wintereinbruch wird daran nicht sehr viel ändern.

Gestern und heute waren also hier die Tage, in denen die ersten ernsthaften Arbeiten mit Erde und Pflanzen möglich waren. Eigentlich hätte ich gehofft, alle Beete würden auftauen und wenn es gegangen wäre, hätte ich den anfallenden Schnitt auch gleich geschreddert - so aber blieb es bei ein paar kleineren Schneidearbeiten und der Bearbeitung eines Schattenbeets. Im Hinblick auf mögliche Tiefsttemperaturen in der kommenden Woche ist das auch ganz ok so, besser es ist noch etwas Schutz auf den Beeten.

Zwei Jahre nach dem Teilen sieht es schon nach etwas mehr aus.

Zu den ersten Arbeiten im Gartenjahr gehört das Vermehren von Frühblühern. Diese Vorgehensweise ist mir noch nicht lange bekannt und ich habe immer beklagt, dass ich zu wenige Geophyten im Garten hätte. Es sind wirklich noch viel zu wenige, aber es wird besser, seit ich im Vorfrühling immer ein paar Gruppen - besonders von Galanthus nivalis und Crocus tommasinianus - aufnehme, teile und vereinzelt wieder einpflanze. Beide Pflanzen halten die Störung früh im Jahr gut aus, sie blühen weiter und erscheinen im nächsten Jahr in deutlich größerer Anzahl.

Schneeglöckchen vermehren sich nämlich, wie viele Zwiebelpflanzen und auch andere Pflanzen auf zwei verschiedene Arten: Durch die Bildung von Brutzwiebeln und durch Aussaat. Warum sich manche Typen mehr aussäen und andere weniger, darüber kann nur spekuliert werden. Mir erscheint eine Theorie am einleuchtendsten: Gärtner, die Galanthus weiterverschenken, graben am ehesten einen Tuff aus, statt 20 einzelstehende Glöckchen zusammenzusuchen. Auf diese Weise betreiben sie unbewusst Auslese, denn nur jene Pflanzen mit dem stärksten Brutzwiebelwachstum werden weiterverbreitet. So kommt es dazu, dass manche Galanthusbestände zerstreut wachsen, während andere eher aus vielen Horsten bestehen. Aber das hängt natürlich auch mit Boden, Licht und Nährstoffen zusammen.

Noch in der Erde, dann geteilt: So vermehrt man Galanthus am effizientesten.

Auf den beiden Bildern sieht man einen kleinen Tuff kaum blühender Schneeglöckchen. Ich habe vor zwei Jahren eine größere Menge Galanthus erhalten und sie in kleinen Gruppen eingepflanzt. Manche Gruppen bestanden aus vielen kleinen Sämlingen (meine säen nämlich gut) und stehen nun so eng, dass sie sich nicht mehr entwickeln. Diese nehme ich als erstes und ziehe sie vorsichtig auseinander. Je trockener die Erde ist, desto leichter geht es, aber Schneeglöckchen sind sehr robust, man darf ruhig zupacken. Das rechte Bild zeigt den gleichen Tuff wie links vereinzelt - es ist toll, wie viele Pflanzen man erhält!


Hier die kleine Gruppe, nachdem ich sie frisch aus der Erde geholt habe. Am zweiten Foto kann man rechts die "Mutter"-Zwiebel und links eine kleine Brutzwiebel sehen. An den Berührungsflächen sind die Zwiebelhäute noch ganz frisch, während sie außen ziemlich runzlig sind. Das rechte Bild zeigt eine gut entwickelte, blühfähige Galanthuszwiebel und daneben eine viel kleinere, die zu dicht an anderen stand. Man müsste schon sehr gut düngen, um bei so engem Stand viele Blüten zu erhalten. Mir gefallen aber Schneeglöckchenflächen ohnehin besser als große Gruppen - daher teile ich jedes Jahr mindestens ein Drittel des Bestands.

Voriges Jahr habe ich einen großen Tuff geschenkt bekommen. Er zählte viele, viele Triebe und 76 Blüten; nach dem Teilen hatte ich etliche kleinere Gruppen und auch einige Einzelpflanzen, die ich in einem neuen Beet auf einer kleinen Fläche möglichst natürlich verteilte. Heute habe ich nachgeschaut: Obwohl noch einige Pflanzen eingeschneit sind, konnte ich schon 122 Blüten zählen! Es bringt also definitiv etwas, den Schneeglöckchen bei der Vermehrung etwas nachzuhelfen.


Besonders natürlich wirkt eine Pflanzung, wenn man verschieden große Gruppen bildet und längliche Gruppen mit unterschiedlichen Abständen pflanzt. Wer besonders viele Schneeglöckchen haben will, setzt aber jede Zwiebel einzeln. Möglicherweise leidet das Gesamtbild im folgenden Jahr noch etwas, aber spätestens im zweiten Frühling hat man schon kleine Gruppen, die man nach zwei, drei Jahren erneut teilen kann.

Das mittlere Bild zeigt eine Zwiebel mit zwei Brutzwiebeln - so entstehen langsam auch aus einer einzelnen Zwiebel Tuffs. Wer öfter teilt, senkt zudem die Gefahr von Galanthus-Schimmel, der in feuchten Gartenecken gerne die Pflanzen befällt und zum Verfaulen bringt. Wer seltene Sorten sammelt, wird besonderes Interesse daran haben, seine Pflanzen öfter zu vereinzeln, um Totalverlusten vorzubeugen.

Am rechten Bild die erste Biene (ein Bild von gestern), die ich heuer entdeckt habe - vielleicht sogar von meinem Bienenstock, heute hat es dort schon ordentlich gesummt. Alleine der Bienen wegen werde ich meine Frühlingsblüher eifrig weitervermehren. Mit nassen Knien und und klammen Fingern... ein wenig schneeglöckchenverrückt bin ich also doch ;-).

Wer noch vor der kalten Wetterphase Schneeglöckchen teilen will, sollte die neugepflanzten auf jeden Fall mulchen, um sie vor Erfrierungen zu schützen. Das passiert nicht wirklich oft, kann aber - da wir nicht wissen, wie kalt es wird - zum Problem werden. Mit ein paar Zentimetern Schredder oder Laub sollten die Schneeglöckchen aber sicher sein :-).

Kommentare:

  1. Ich werde es mal versuchen, vielleicht kann ich damit den bisher spärlich wachsenden Schneeglöckchen ein wenig auf die Sprünge helfen. Herzlichen Dank für die Tipps!
    Liebe Grüße
    Trudi

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  2. Vielen Dank für diese anschauliche Anleitung! Ich werde mich morgen gleich an die Arbeit machen, Schneeglöckchen kann frau nie genug haben :-)
    Liebe Grüße
    Elisabeth

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    1. Unbedingt aber gut mulchen danach, das ergänze ich noch - weil es ja noch einmal kalt wird.
      LG, Katrin

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  3. Ist ja lustig... ich habe gerade heute bei uns am Bach ein paar Schneeglöckchen ausgegraben und geteilt in meinem Garten eingesetzt! Der Bachlauf wird in Kürze umgestaltet und dann würden die Schneeglöckchen vielleicht sowieso verschwinden!
    Ich hoffe, dass sie sich in meinem Garten wohlfühlen!
    viele Grüße von
    Margit

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  4. Hallo Katrin,
    das hast Du wieder sehr detailliert beschrieben und anschaulich bebildert. Man kann das Pflanzen der Frühlingsblüher "in Green" nicht oft genug empfehlen. Ich mache das auch schon seit einiger Zeit und werde mal vorher und nachher Bilder demnächst posten.
    Ich hab noch eine Frage. Dein Blog ist jetzt wesentlich breiter als vorher. Das ist auf meinem großen Bildschirm sehr deutlich zu lesen und auch die größeren Bilder sind sehr schön. Wie sieht das aber auf dem Notebook-Bildschirm aus oder auf dem Smartphone?

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    1. Puh, ich arbeite auf einem Notebook, da ist links und rechts noch eine Handbreit Platz, smartphone muss ich noch testen (ich hab selber keins)... aber gut, dass du es sagst, ich hab bloß mit dem Header herumgespielt und eigentlich dachte ich, der hätte die gleiche Größe wie der alte...

      Auf Posts zu dem Thema freue ich mich!

      LG, Katrin

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  5. Hallo kathrin sehr schön erklärt so vermehre ich alle Blumenzwiebeln aber erst nach der Blüte. und dann auf keinen Fall tief bearbeiten, und erst wenn alee Blätter verwelk sind dort mähen... noch besser istt Mulch wie im Wald.

    Weise bitte noch einmal unbedingt daraufhin, dass Schneeglöckchen unter Naturschutz stehen und sie in freier Natur nicht gepflückt und schon gar ausgegraben werden,

    Ausnahme natürlich vor Landschaftsarbeiten zur Rettung der Blumenzwiebeln sieh oben.

    Bei uns in entfernter Nachbarschafr wurde ein wunderbarer Blumenzwiebelgarten mit Krokussen, Schneeglöckchen und Winterlinen für zwei Stellplätze platt gemacht,
    die Käufer wussten natürlich nicht wie zauberhaft es im Frühling ausgesehen hätte und nun ist alles weg!!
    Und ich kam erst zu spät da vorbei!! Ich hoffe nur die Erde kam nicht auf die Depnie sondern an einen anderen Platz

    Frauke

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  6. Ach, das finde ich einen sehr interessanten Tipp, denn bei mir wird das mit den Schneeglöckchen nämlich nicht so wirklich was. Vielleicht hilft mir das ja... Die Erfahrungen habe ich mit den Freilandhyazinthen gemacht. Je mehr aufeinandersitzen umso kleiner werden die Blüten bzw. sie blühen irgendwann gar nicht mehr. Ja, die ersten Bienen waren bei uns gestern auch unterwegs, allerdings an den Elfenkrokussen. Sehr schöne Fotos ! Vielen Dank dafür und weiterhin viel Freude beim Vermehren - GLG, Christine

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  7. Hallo Kathrin, da ich ja gerade auf Galanthusreise in England war dachte ich es wäre das Schlimmste überhaupt die Glöckchen auszubuddeln und die Wurzeln oder Blätter in Mitleidenschaft zu ziehen.
    Ich dachte man setzt erst um wenn durch die Blätter und Wurzeln alle Kraft in den Zwiebel gespeichert ist. Na, es funktionieren sicherlich beide Methoden, wobei deine leichter ist, weil man sieht was man macht und schöne Formen bestimmen kann.
    Wenn es also gleich aufhört hier zu regnen werde ich es mal versuchen.

    LG Sibylle

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    1. Liebe Sibylle,

      besonders ideal wäre es sicher, Umpflanzaktionen durchzuführen, wenn die Zwiebeln eingezogen sind. So wird es - wie ich es verstanden habe - bei seltenen und heiklen Sorte gemacht, wo man nichts riskieren möchte. Mein Problem ist aber, dass nach der Blüte und besonders nach dem Einziehen die Beete so voll sind, dass ich die Glöckchen weder ausgraben, noch Teile davon wieder einpflanzen kann, weil ich gar nicht mehr in die Beete passe oder alles zertreten würde.

      Am Anfang des Jahres sieht man auch besser, wo man noch Frühblüher haben möchte - in einem Monat ist bei mir alles so zugewachsen, dass ich kaum Plätze finde, wo ich denke, dass noch etwas Platz hat.

      Liebe Grüße,
      Katrin

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  8. Liebe Katrin,
    habe es gleich gestern ausprobiert. Ich habe einen ganzen Ballen ausgebuddelt, in Einzelteile zerlegt und die einzelnen Schneeglöckchen an gewünschter Stelle wieder eingebuddelt. Schön gemulcht stehen sie heute wie die Orgelpfeifen an der Forsythienhecke und sind schon ein wenig mehr aufgeblüht. Ich hätte nie gedacht, dass die kleinen Dinger solch einen Akt während der Blüte überstehen. Ich danke dir für deinen grandiosen Tipp und freuen mich nun auf die folgenden Jahre voller Schneeglöckchenpracht!
    Liebe Grüße aus Leipzig
    Birgit

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    1. Liebe Birgit,
      das freut mich! Am schönsten ist es immer dann im Folgejahr, wenn es mehr geworden sind. Ich habe heute auch wieder ein paar geteilt ;-).
      LG, Katrin

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  9. Ah so, Alpennordrand ... ja dann ...
    Aber es stimmt, auch meine fast 84j. Mutter weiß, daß es immer schon auch weisse Ostern gab.Nichts bleibt gleich.
    Das Teilen der Frühblüher ist eine gute Idee, das hab' ich auch noch kaum praktiziert. Aber wir hatten ja auch keinen Garten so sehr lange.

    Ich glaube aber, daß sich manche Arten mehr ausbreiten, liegt vor allem auch an den abiotischen Umwelt-Faktoren.

    Und jetzt muß ich wieder an das mir entgangene Schneeglöckchenbuch vom Weltb.-Verlag denken ;-) Schade - einerseits ...

    Liebe Grüße
    Sara

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