10. Oktober 2017

Vollherbst wirds

Wegen des verregneten Septembers vielfach unbemerkt, hat sich der Herbst in den Garten geschlichen und kaum, dass mal die Sonne scheint, gibt es sanftes Streiflicht und leuchtende Gräser. Wie immer ist es im Herbst eine große Diskussion, was stehen bleibt und was geschnitten wird - ich zwicke nach wie vor nur dort etwas weg, wo es stört und vielleicht auch dann, wenn ich ein dichtes Blumenzwiebelvorkommen neu legen möchte und es zugegebenermaßen etwas anstrengend sein würde, ein paar hundert Zwiebeln unter Staudenstängeln kriechend einzulegen. Sonst aber darf alles blühen, welken und vermodern, bis ich im Spätwinter dann wirklich aufräume.


Die Gräser und das Schilf am Teich sind im Herbst immer in Hochform. Sobald das Laub noch stärker fällt, wird der Teich mit einem Netz eingehüllt, um ihn vorm meisten Laub zu schützen. Sobald dann die ersten Herbststürme die Bäume leergefegt haben, kommt das Netz wieder weg. Mir ist immer etwas leid um den herrlichen Anblick, der dann ein paar Wochen lang vom Netz getrübt wird - aber es vermindert lästige Aussaug-Arbeiten: Noch immer haben wir den Teich nicht geputzt, gesaugt oder das Wasser abgelassen, obwohl es ihn schon seit 2003 gibt.


In der Wildbienennisthilfe ist mit dem Spätsommer Ruhe eingekehrt. Nur mehr ein paar ganz verwegene Wildbienen waren aktiv, die anderen schlummern in Form der nächsten Generation verpuppt in ihren kleinen Niströhrchen bis zum Frühling durch. Ich bin schon sehr gespannt, welche und wie viele im kommenden Frühling schlüpfen werden und wie sich die Besiedelung weiterentwickeln wird. Den Winter werde ich nützen, um weitere Nisthilfen zu basteln und eventuell auch an anderen Stellen zur Verfügung zu stellen.



Wunderschön ist nach wie vor das Schotterbeet und das liegt, wie schon im vergangenen Winterhalbjahr, an Achnatherum calamagrostis, dem hübschesten Gras, das ich kenne. Die drei Horste sind nach wie vor stabil und ich kann nur jeden ermutigen, an sonnigen, trockenen Stellen dieses Gras zu pflanzen!



Ebenso empfehlenswert ist Pennisetum orientale 'Karley Rose', dessen später Austrieb mich immer etwas zweifeln lässt, ob es den Winter denn eh wirklich gut geschafft hat; spätestens im August steht es aber wieder in voller Pracht da und blüht laufend mit rosa getönten Bürstenblüten nach. Wichtig ist auch bei diesem Gras eine gute Drainage, damit es im Winter nicht zu Staunässe kommt.



Etwas gelitten haben heuer die Herbstmargeriten, Leucanthemella serotina - in früheren Jahren waren sie viel üppiger. Ich werde einen Teil probeweise im Frühling aufnehmen und neu pflanzen, ich vermute, dass die Pflanzen in den sechs Jahren seit der Beetanlage schon zu verfilzt sind, um üppig wachsen zu können.


Die Schattenbereiche gefallen jetzt vor allem durch verschiedene Blattstrukturen, die durch erste Herbstfärbungen noch interessanter werden. Ich habe mir vorgenommen, an einigen Stellen mit niedriger Bepflanzung vermehrt Herbstcyclamen zu pflanzen. Leider sind diese hübschen Stauden bei mir bei Weitem weniger wüchsig als ihre Verwandten, die im Frühling blühen. Hoffentlich denke ich im Frühling dran und bekomme schöne Pflanzen.


Überall, wo ich viele Frühlingblüher habe, sind die Beete im Sommer etwas wilder, denn sobald ich etwas teile oder neue Pflanzen reinsetzen möchte, steche ich irgendwo Blumenzwiebel entzwei. So auch hier, wo im Sommer neben Hosta 'Sum and Substance' vor allem Knöterich und Chinaschilf den Ton angeben. Die Korkenzieherweide rechts daneben, eigentlich wichtig, weil sie den Schatten für die Funkie bereitsstellen soll, ist leider schwer in Mitleidenschaft gezogen, es sieht mir nach einer Kombination aus irgendeinem Pilz und dem Weidenbohrer aus... mal schauen, ob sie den kommenden Frühling noch erleben wird.


Hior ist das gleiche Beete von der anderen Seite des Bogens zu sehen. Die Umgestaltung hier hat sich gelohnt; eine gelbe Parkrose war im Winter plötzlich verstorben und so war es ein guter Anlass, die angeflogenen Goldruten und Lampionblumen, die in diesem Beet wucherten, zu entfernen und etwas Blühendes zu pflanzen. Mama hat Agastachen, Geranium 'Rozanne' und eine einjährige Spinnenpflanze vergesellschaftet, was seit dem Frühsommer für Farbe sorgt und den Bienen große Freude bereitet.


Die Sommerbeete gegenüber färben nun immer mehr ein. Wie jedes Jahr notiere ich mir, viel mehr Astern zu setzen - aber im Frühling ist kurioserweise nie Platz... und so wird es mir auch die nächsten Tage gehen, wenn ich Plätze für meine aberhundert Blumenzwiebel suchen werde - aber leider mit umgekehrter Folge, denn im Frühling wünsche ich mir dann immer, ich hätte viel, viel mehr Zwiebeln gelegt....

13. September 2017

Zum Schmökern bei Herbstwetter

Auch wenn der Spruch mit dem Wetter und der Ausrüstung stimmen mag - hin und wieder ist es draußen so unangenehm, dass es dann doch angenehmer ist, nicht durch schmuddel-feuchte Beete zu robben, sondern auf dem Sofa oder vor dem PC Gartenthematisches zu entdecken. Und neben jeder Menge Gartenbücher findet sich auch im Netz immer mehr Spannendes.

Eine sehr ergiebige Quelle sind die fachlich fundierten Artikel von Ina Sperl in der FAZ: Schon seit längerer Zeit verpackt die Journalistin und Gartenbuchautorin aktuelle Gartentrends und Pflanzenkenntnis in unterhaltsame, ausführliche Texte, in denen stets ein Thema umkreist wird, indem Leute, die sich damit beschäftigen, zu Wort kommen und Pflanzen (besondere Pflanzen!) erwähnt und beschrieben werden. Erstmals aufmerksam bin ich geworden, als sie im Jänner den winterlichen Garten von Torsten Matschiess vorgestellt hat; und im Sommer sind dann Hermann Gröne und sogar ich in einem Artikel zu Schattenpflanzen zu Wort gekommen - was mich natürlich sehr ehrt! Die Liste an lesenswerten Texten ist aber noch viel länger, Ina Sperl schreibt von gelben Blumen, die in Gärten viel zu selten eingesetzt werden, von angesagten Gartendesignerinnen, Kiesgärten, wie sie im besten Sinne aussehen sollten und gibt Tipps für Blüten im Hochsommer. Viele Themen werden gestreift, Wildpflanzen erwähnt, Gärten vorgestellt; einem Besuch auf einer Gartenmesse folgen durchaus kritische Worte und auch Gespräche mit Gartenmenschen fehlen nicht, wie etwa eines mit Dan Pearson. Und ein paar Artikel sind dabei, die ich am liebsten ausdrucken und allen unter die Nase halten würde, besonders einer über die Schönheit verwelkter Stauden und  dann noch einer über die Zwiebelkompositionen von Jaqueline van der Kloet... weiterklicken durchaus empfehlenswert!

Wer Wildstauden googelt oder sich mit naturalistischer Gartengestaltung befasst, wird ziemlich sicher auf Jochen Wegner stoßen, der auf seiner Homepage Nachschlagewerk, wunderschöne Fotos und Anregung zu Diskussionen bietet. Er verfolgt mit seinem Garten ein ganz besonderes Ziel, denn er vereint dort hauptsächlich Wildpflanzen aus verschiedenen Erdteilen zu widerstandsfähigen Pflanzengesellschaften, in denen zahlreiche Gräser willkommen und Dynamiken erlaubt sind. Diese Staudenwiesen sind wunderschön anzusehen, viele Bilder illustrieren diese Tatsache - und wie man sie erhält, welche Problematiken entstehen und wie Jochen auf Probleme reagiert, wird auf seiner Homepage genau beschrieben. Die Fülle an Material ist beeindruckend, Filme von Naturstandorten vieler Stauden runden das Angebot ab und an einem regnerischen Nachmittag kann man sich ohne Weiteres für Stunden festlesen.

Für Fans schöner Gartenfotos bietet sich der Blog von Sibylle Pietrek an, die mittlerweile Reportagen für Gardens Illustrated und andere renommierte Magazine fotografiert. Ihr Fotostil ist unverwechselbar, immer lichtdurchflutet, immer hell und sie ist viel unterwegs, was uns natürlich einen Haufen schöne Motive beschert. Aktuell gibts Eindrücke von der IGA in Berlin.

Und dann, ich muss es einfach empfehlen, weil ich selber so lange skeptisch war: Instagram. Wer sozialen Netzwerken gegenüber eher kritisch eingestellt ist, kann bei Instagram auch einfach mal so reinklicken oder sich am PC anmelden und nur gucken, ohne selber aktiv zu werden. Denn dann steht euch die Welt zu Gartenfotos offen, dass man nur so staunt! Es gibt so viele sehenswerte Accounts, dass ich gar nicht weiß, was ich als erstes aufzählen soll: Claire Takacs aus Australien etwa, Piet Oudolf zeigt aktuelle Projekte, man kann Tom Stuart-Smith durch seine Gärten folgen, die australische "Hillandale Nursery" erkunden, Botaniker bei Exkursionen in Ohio begleiten ("The Buckeye Botanist"), japanische Waldstauden gierig betrachten und Staudengärten in Litauen ("Manogardenstories") bewundern.

Und welche Tipps aus dem weiten Netz habt ihr so auf Lager?

9. September 2017

Und es wird Herbst

Huh, war das ein schöner Sommer! Ich bewundere ja immer alle, die auch in der wärmsten Jahreszeit so fleißig posten und kriege das selber nie und nimmer hin. Zu schön ist es abends draußen im Garten und dann ist auch noch das Wetter so ausdauernd schön, dass die wenigen verregneten Tage voller anderer Aktivitäten sind. Aber nun werden die Tage ja endlich wieder kürzer, es wird schon ziemlich kühl am Abend und ich sitze wieder zu gemütlichen Blog-Zeiten vor dem PC und nicht mehr erst um Mitternacht. Außerdem hat mich Jochen vom Wildstaudenzaubergarten gefragt, ob ich denn das Bloggen aufgegeben hätte - das war dann ein guter Startschuss für die herbstliche Blogsaison.

Das Phloxbeet blüht noch immer. Ergänzt mit Chelone obligua, die ich nun seit Jahren dort zu etablieren versuche und die sich erstmals deutlich sichtbar zeigt, mit weißem Knöterich und viel später blühender gelber Goldrute 'Fireworks' ergibt sich so eine schöne Staudenkombination. Im Hintergrund sollte eigentlich noch ein Miscanthus sein, aber der will irgendwie nicht so wie ich.

 Was tut sich nun im Garten? Nach einem recht trockenen und warmen Sommer, der aber in unserer Region zum Glück immer noch rechtzeitig Regen bereitstellte, ist der Garten Ende August ein wenig zerzaust in den meteorologischen Herbst gegangen. Aber kaum gibt es Morgentau und kühle Nächte, schon blüht wieder einiges mehr. Die meisten Astern stehen kurz vor der Blüte und die Gräser werden mit jedem Tag spektakulärer. Einige Umgestaltungen stehen an, einige vernachlässigte und vergierschte Ecken wollen neu gestaltet werden und jeden Tag harre ich in Vorfreude und etwas Furcht vor der Nachricht, dass die Blumenzwiebel eingetroffen sind.... es sind einige tausend, die ich heuer versenken werde müssen und wie jedes Jahr ist das eine zeitaufwändige und mit fortschreitendem Herbst unangenehmere Tätigkeit - obwohl ich doch genau weiß, im Frühling wird es wieder ein bisschen zu wenig aussehen.

In den hohen Staudenbeeten setzen sich nur robuste Kandidaten durch: Rudbeckia nitida, eine dunkle Herbstaster, Wasserdost und die Samenstände von Königskerzen und Herzgespann. Auch hier hätte ich gerne ein Gras, nachdem ein Molinia 'Transparent' sich einfach verabschiedet hat.

 Wer also gerade keine konkreten Gartenprojekte laufen hat, könnte sich mit dem Kauf absurd vieler Blumenzwiebel leicht eins schaffen - und dann im Frühling jeden Tag aufs Neue begeistert in den Garten laufen. Aber es darf nicht verschwiegen werden, dass das Pflanzen von Blumenzwiebeln in bereits bestehende Beete kein einfaches Unterfangen ist und ich mit etlichen Blumenzwiebeln mehrere Runden durch den Garten laufen muss, bis sie endlich irgendwo untergebracht sind.

Dieses Pennisetum habe ich vor 6 Jahren aus Holland mitgebracht und ich bin immer noch ganz begeistert, wie schön es ist.

Nun beginnt auch die Zeit der Gräser. Ich habe allerdings immer noch zu wenige in den Beeten integriert und bin gerade dabei, alles, was irgendwie unschön ist oder seit Jahren nicht in die Gänge kommt, rauszuschmeißen und stattdessen Platz für andere Stauden zu schaffen. Aber irgendwie ist das doch sehr schwer... vor allem bin ich nicht sehr konsequent; manches mag ich einfach, obwohl es nie schön aussieht, immer umfällt, ständig von Schnecken gefressen wird und auch nie eine anständige, sichtbare Größe einnimmt. Das liegt auch daran, dass manche Stauden, die die notwendige Ruhe in die Beete bringen würden (und die ich in anderen Gärten immer bewundere und insgeheim auf Listen setze) dann im Endeffekt zu langweilig für mich sind. So gefallen mir in anderen Gärten größere Flächen mit Frauenmantel und Geranium macrorrhizum ganz außerordentlich - aber worauf könnte ich zugunsten 3m² einer Staude schon verzichten? Also doch lieber wildes Gewühl und spätsommerliches Umkippen und Roden.

Eine schöne Zusammenstellung für lange Zeit: Goldbaldrian (Patrinia scabiosifolia), Ehrenpreis (Veronicastrum virginicum), Bartfaden (Penstemon digitalis) und Knöterich (Persicaria amplexicaule).

Recht gelungen ist das Bienenbeet, das ich im Frühling vor einem Jahr angelegt habe. Die Astern sind heuer dankenswerterweise nicht so unglaublich hoch gewachsen wie letztes Jahr und sind auch insgesamt kleiner geblieben. Kennt ihr den Effekt, dass manche Stauden im ersten Standjahr enorm gut und beängstigend schnell wachsen - und dann nie wieder? Bei mir machen das Astern und viele Storchschnäbel so, und das ist manchmal ärgerlich und hin und wieder für die anderen Beetstauden ganz gut, sonst wäre alles innerhalb kürzester Zeit verschluckt.



Ganz gut geht es bislang auch meinen Bienen. Sie haben wie ich den warmen Sommer genossen und konnten wohl viel Honig und Pollen sammeln, ich wünsche ihnen einen ebenso erfolgreichen Winter.


In den Schattenbeeten wird es jetzt langsam ruhig. Letzte Blüten von Anemonopsis schweben noch über dem Laub, einiges ist schon von Schnecken zerfressen und zieht ein. Nach und nach erscheinen die Blätter der Cyclamen und natürlich die Blüten jener Arten, die im Herbst blühen. Eine besonders schöne Staude ist auf dem Bild oben zu sehen: Begonia grandis ssp. evansiana, eine absolut winterharte Begonie, deren einziger Makel der unglaublich späte Austrieb irgendwann im Laufe des Mai ist. Jedes Jahr denke ich, nun ist das Ding erfroren, aber jedesmal tauchen doch irgendwann die hübschen, auf der Rückseite rot geaderten Blätter auf.

Ich habe meine extra wegen dem Laub erhöht auf einem kleinen Hügel gepflanzt. Als Zugabe erscheinen nun im September hellrosa Blüten mit gelber Mitte, die aus dem Schatten hervorleuchten. Ich habe mir vorgenommen, diese schöne Pflanzen an mehreren Stellen im Garten auszuprobieren - wert wäre sie es nämlich auf jeden Fall! Leider ist sie in Gärtnereien eher ein Ladenhüter, da sie so lange nicht auftaucht und niemand noch im Mai ein leeres Töpfchen kauft und glaubt, dass da wirklich etwas herauswachsen wird. Deshalb mache ich jetzt Werbung dafür - vielleicht denkt ihr dran, wenn ihr mal ein einer Gärtnerei im Frühling eine lange Reihe leerer Töpfe seht ;-).

25. Juli 2017

OÖ Landesgartenschau 2017 - Kremsmünster (Areale am Stift)

Landesgartenschauen sind für mich ein ambivalentes Thema - denn einerseits unke ich gerne herum, was daran alles unpassend sei, andererseits haben mich zwei vorherige Veranstaltungen (Bad Ischl 2015, Ansfelden 2011) letzten Endes dann doch positiv überrascht. Heuer habe ich also versucht, unvoreingenommen an die ganze Thematik heranzugehen; was etwas schwierig war, da unterschiedlichste Meinungen im Vorfeld zum Teil völlig Gegensätzliches gelobt oder kritisiert hatten. Da die Gartenschau nahe an meinem Heimatort stattfindet, möchte ich sie zumindest noch ein zweites Mal besuchen, um die Veränderungen mitzubekommen.


Dieses Mal waren wir nur in den Anlagen rund um das Stift Kremsmünster, die sich im Groben auf zwei Ebenen befinden: Oben am Berg beim Stift und an seinem Fuße. Die alten Mauern des Stifts geben einen schönen Rahmen für weitläufige Beete - und so fällt gleich am Beginn ein dunkelpurpurnes Sommerflorbeet auf, das im Schatten einiger Bäume zwischen den hellen Mauern hervorragend platziert ist. Gleich dahinter, auch am linken Bild hinten zu sehen, schließt ein pastellfarbenes Staudenbeet an, das ich ganz besonders gelungen empfinde. Im Moment blühen hohe Astiblen, umspielt von den Blüten der Deschampsia, des Staudenknöterichs und später werden noch Silberkerzen anschließen.


Auf die folgenden Freifläche, die "Hortus Benedicti" heißt und bei der Wege von Außen ins Innere führen und Sinnsprüche des Benedikt von Nursia zu finden sind, freute ich mich besonders: Ein Kiesbeet ist hier zu finden, mit ausschließlich heimischen Pflanzen in natürlicher Anordnung (was dazu wohl der gute Benedikt sagen würde? Ein paar umbrische Disteln, Skabiosen und Malven hätten ihm und den Insekten sicher Freude gemacht) auf abgemagertem Boden. In ein, zwei Jahren wird es dort Summen und Blühen, es wird ein herrlichs Beet werden - allerdings wird der Bereich dann nicht mehr zugänglich sein. Gleich nach den üppigen Sommerflorbeeten hätte vielleicht eine Erklärung geholfen, warum hier mit Absicht in fast reinen Schotter gepflanzt wurde und die Pflanzen natürlich nur langsam Fuß fassen können... so aber haben etliche Besucherinnen und Besucher den Kopf geschüttelt und sich darin versichert, soetwas gefalle ihnen nicht.


Direkt danach folgt ein Beet mit schöner Idee aber etwas trauriger Umsetzung: Die eisernen Linien symbolisieren Niederschlags- und Temperaturkurven, die in der Wetterstation des Stifts schon seit langer Zeit aufgezeichnet werden. Leider war die Staudenpflanzung irgendwie mickrig geraten, die sonnenliebenden Lauche reckten ihre Blüten zum Licht und kamen daher ins Liegen, weil das alles ein Schattenbeet war und insgesamt sah das Beet aus, als habe man es einen Tag davor gepflanzt. Das Bild rechts zeigen den Garten "Himmel auf Erden", der mit blauen Blüten und gelben Einsprenkseln an den Nachthimmel und damit die dahinter aufragende Sternwarte erinnern soll.


Hier noch einmal das "Himmel-auf-Erden"-Beet


Vor dem Gärtnerhaus und der Küche, in der die Erzeugnisse aus dem dahinterliegenden und beeindruckend großen Gemüsegarten verkocht werden, liegen die "Kostbaren Gärten". Sie sind entweder für Insekten interessant oder für Menschen, sie zeigen Arzneipflanzen oder exotische Raritäten. Am Bild sieht man einen Insektengarten und ein paar Staudenbeete, die rundherum zu finden sind. Die Anlage bietet viele Ideen, auch für kleine Gärten und ist umschwirrt von Insekten.



Die Gemüsegärten, die dort zu finden sind, breiten sich weitläufig auf dem ganzen Areal aus und es sind eine Unmenge an verschiedenen Gemüsearten zu bewundern, alle in langen Zeilen und beeindruckender Anzahl. Es gibt nur deshalb so wenig Fotos, weil ich da gerade ein Eis in der Hand hatte und nicht zum Fotografieren kam! Bei den Gurkentunnels und den Freilandtomaten habe ich dann eine Verrenkung riskiert, aber es gibt auch einen zukünftigen Rekordkürbis (da er ein eigenes Gewächshaus über den Kopf und ein weiches Beet erhalten hat, bin ich diesbezüglich zuversichtlich), Haferwurzeln, Zucchinis, Petersilie in unterschiedlichen Sorten, Basilikum in verschiedenen Ausführungen, sämtliche vorstellbare Salate, Melanzani und Wassermelonen und sonst auch noch sehr viel mehr. Wer Gemüse liebt, wird dort Stunden verbringen können!


Nicht im Bild sind der riesige Obstgarten, Bienen und Hühner sowie Kinderspielplätze (bei letzteren ist der kreativste eine mehretappige Murmel-Wettlauf-Bahn entlang des Weges zum zweiten Teil der Gartenschau am Stift). Hier gehen wir bereits den Hang hinunter zur Dendlleitn, wo noch einigen Themengärten warten - der am Bild kommt meiner Vorstellung von Garten am nächsten und heißt "Urbane Gartenvariationen", wurde vom Maschinenring gestaltet und soll verschiedenen Varianten von Gärten zeigen, als Reihenhausgarten, mit Hochbeet, Staudenbeet und stylischem Sitzplatz.


Bevor man zu den Themengärten gelangt, passiert man noch drei farbenfrohe Sommerflorbeete; im Hintergrund des roten Beets ist die gleichfarbige Rutsche zu sehen, die Kindern und Junggebliebenen ein Stück des Wegs erspart, weil man quer über den Hang in zwei Etappen abkürzen kann.


Der "Märchenhafte Garten" läuft unter dem Motto "Weiß wie Schnee, Rot wie Blut und Schwarz wie Ebenholz", leider litten die meisten Pflanze in der Hitze und die gesamte Anlage wirkte etwas alptraumhaft auf mich, die Hortensien weckten spontane Gießgefühle, einsame, in Kies festgepresste Schlangenbärte hätte ich am liebsten befreit und von der - zugegebenermaßen sehr ansprechenden - Skizze, die am Schild zu sehen war, konnte man in der Realität wenig erkennen.


Eine schöne Idee ist der "Essbare Garten", der Gemüse, Kräuter und essbare Blütenpflanzen gekonnt vereint und  wenn jemand vor Ort ist, darf auch wirklich gekostet werden, was bei Parakresse ein einzigartiges Erlebnis ermöglicht (falls man sie noch nicht kennt).


Nun folgt der mehrteilige Garten, der vom Maschinenring angelegt wurde und Anregungen für den eigenen Garten bieten soll. Für mich ist dieser Abschnitt am besten gelungen und die gezeigte Mauer mit den trockenheitsliebenden Stauden wirkt schon so grandios eingewachsen, als wäre sie seit Jahren dort. Die gute Staudenauswahl trägt natürlich dazu bei: Echinops, Erodium, Aster linosyris, Aster 'Snowflurry', Calamintha nepeta, Kniphofia, Stipa, Yucca, Verbena und andere haben das Zeug dazu, innerhalb kurzer Zeit zu imposanten Stauden heranzuwachsen und das ganz ohne Düngen oder Wässern.


Noch zwei Ausschnitte aus dem erwähnten Garten, einmal noch das Trockenbeet, das ich am liebsten gleich so adoptieren würde und dann noch ein Staudenbeet mit Spalierobst und abwechslungsreicher Bepflanzung.




Der zweite Teil des Gartens zeigt eine formale Grundstruktur mit zwei Wasserbecken, Eibenhecke und Sitzplatz, die aber von üppigen Geranium-Rozanne-Pflanzen umspielt und überwogt wird. Richtig toll, wie dieser langblühende Storchschnabel hier in Szene gesetzt wird! Das Gemüsehochbeet ist ebenfalls sehenswert, leider habe ich es aus Begeisterung für den Storchschnabel zu fotografieren vergessen.



Eine andere Lage daneben zeigt, was ich bei Gartenschauen immer fürchte: Einfallslose flächige Bepflanzung mit unpraktischer Pflanzenauswahl - hier wurde ein Geranium mit vermutlich renardii-Blut als Flächendecker verwendet, was aber nur auf trockenen Standorten und nicht in der verwendeten fetten Erde klappt, dazu blüht diese Pflanze nur kurz im Frühling. Auch Sedum 'Matrona' hätte es lieber trockener, Brunnera 'Jack Frost' daneben profitiert hingegen vom Wässern. Solche Beete wirken weder üppig noch schön und sie sind zu groß, um Ideen für Privatgärten zu liefern. Sollten sie wirken, müsste man sie zwei Jahre vor Start der Gartenschau anpflanzen - so aber sind sie maximal Negativwerbung für Stauden.


Negativwerbung anderer Art, leider auch unbewusst aber daher nicht weniger ärgerlich, macht der Siedlerverein mit seinem Insektenhaus. Eine hiesige Gartenschau sehen im Schnitt 250 000  Besucherinnen und Besucher, was hätte man hier an Botschaften vermitteln können, wenn man eine sinnvolle Wildbienennisthilfe aufgestellt hätte! Die Grundidee, ein Wagenrad zu verwenden, ist ja noch gut, aber die Befüllung ist leider, wie in so vielen Fällen, nur gut gemeint, aber nicht nützlich. Lochziegel, Stroh und Zapfen fallen als Nistmöglichkeit aus, statt Bambusröhren wurden Plastiktrinkhalme verwendet (mir GRAUT vor Nachahmern, die wegen des hübschen Aussehens das Gleiche tun und Wildbienenbrut haufenweise verschimmeln lassen). Und auch die Holzbohrungen: Alle in die Jahresringe, alle gleich groß, viele zersprungen und daher unbesiedelt... nur insgesamt 24 Löcher sind von Mauerbienen belegt, obwohl auf den Blüten ringsum viele andere Wildbienenarten zu beobachten sind. Schade!



Der restliche Garten des Siedlervereins ist jedoch gut gelungen, bietet verschiedene Pflanzen, etliche lustige Einfälle und kreative Ideen und meistens ist jemand vor Ort, der etwaige Fragen beantwortet.


Bei der Kremsbrücke wurde die Krems, unser das Tal benennende Fluss, renaturiert. Dort hat sich vieles von selbst eingefunden und bildet eine Pflanzung wie eine Präriefläche, auch das hat mir gefallen. Offenbar hat das jemand geahnt und die Pflanzungen dort auf diese Fläche abgestimmt: Mit Telekie und Kalimeris, was ich ausgesprochen gelungen finde.

Den zweiten Teil der Gartenschau, am Schloss Kremsegg, werde ich demnächst besichtigen. Bis jetzt kann ich einen Besuch unbedingt empfehlen! Man sollte allerdings genug Zeit mitbringen, da man bestimmt 3 bis 4 Stunden am Gelände verbringen kann, um alles zu sehen, einiges zu kosten und ein paar Aktivstationen auszuprobieren. Und ganz sicher werde ich auch im Spätsommer noch einmal hinschauen, wenn die Astern blühen.

Wer sich interessiert, hier der Link zur Homepage der Landesgartenschau mit Lageplan.

17. Juli 2017

Das Schotterbeet am Weg in den Sommer (2)

Obwohl ich im Moment jeden Tag im Garten verbringe, komme ich wie jedes Jahr am allerwenigstens zum Bloggen, dabei gäbe es so viel zu zeigen und erzählen! Aber die langen Abende verlocken zum Draußenbleiben und das schöne Wetter hält mich vom PC fern, was absolut zu begrüßen ist, aber leider zu einer Beitragsflaute in der schönsten Gartenzeit des Jahres führt.

Bevor also der Hochsommer mit Rudbeckia und Phlox voll eintrifft, möchte ich frühsommerliche Eindrücke aus dem Schotterbeet zeigen. Ungefähr ab Anfang Juni war die Kiesfläche geschlossen und die Pflanzen verwebten sich zu einem dichten Muster, ganz wie sie das in einer mageren Wiese tun würden. Seither wandelt sich das Bild beinahe täglich; Eingriffe waren bisher nur wenige notwendig: ein Jätdurchgang im Frühling, einer im Mai und letzte Woche (nicht auf den Bildern) habe ich die ersten Stauden zurückgeschnitten (Salvia verticillata, Papaver rhoeas, Schnittlauch).


Ende Juni war vor allem die Seidenpflanze (Asclepias tuberosa) sehr auffällig. Sie ist absolut empfehlenswert für trockene, sonnige Stellen, hat den Winter mit -18°C prima überstanden und ist ein Bienenmagnet. Aus Sicht der Gestaltung habe ich versucht, verschiedene Blütenformen und Blattstrukturen zu kombinieren, verbindende Elemente sind das silberne Laub vieler Stauden und die feinen, flirrenden Formen, die für sonnige Standorte so typisch sind.



Das Beet besteht ja aus zwei Hügel, der zweite hat im Winter etliche Federgräser verloren, daher war dort mehr Platz und nun sind dort mehr niedrige Pflanzen beheimatet. Der Schnittlauch ist wunderschön, aber ich habe ihn gleich nach dem Bild abgeschnitten, weil er zu enormer Aussaat tendiert und mir die Sämlinge reichen, die ohnehin schon da sind.



Silber und Purpur ist eine ganz klassische Kombination, hier mit Artemisia ludoviciana 'Silver Queen' und Allium sphaerocephalon; rechts ragt Seseli elatum ssp. osseum ins Bild - Doldenblütler passen super in Trockenbeete und die Bienen lieben sie! Die grünen Blätter davor gehören zu Baptisia australis, allerdings braucht diese hübsche Staude ewig bis zur Blüte (ich bin aber froh, dass sie überhaupt lebt, an anderer Stelle ist sie verschieden).


Ich habe ja für dieses Beet alle Vorbehalte gegenüber Farben abgelegt und munter draufloskombiniert. Die Verwendung von Komplementärfarben wie Blau und Orange mit Gelb mag ungewöhnlich sein, aber ich bin ganz hingerissen von der Frische der Szenerie. Das Hellblau wird von Lein beigesteuert, das Gelb von Coreopsis grandiflora, das Orange von der Seidenpflanze und im Hintergrund ist noch einmal Gelb mit Linaria genistifolia und Euphorbia 'Abbeydore' (unbedingt Empfehlung, ich habe meine von Hessenhof, eine großartige Pflanze, die ein viel satteres Gelb aufweist als andere Wolfsmilcharten!).



Auch das Blau der Katzenminzen passt gut, dazu kommt das verwaschene Hellgrün der verblühenden Galium-verum-Flächen. Leider sind mir im Winter neben den Federgräsern auch zwei schon sehr große Santolina-Pflanzen gestorben, sodass die ruhige silberne Fläche links im Bild alleine wirken muss.


Aus den Wurzeln wieder auferstanden ist hingegen Berkheya purpurea, diese kratzige Schönheit, hier vergesellschaftet mit Allium 'Millenium' (kauft diesen Lauch, wenn ihr ihn wo angeboten seht, meine Pflanze, im Hintergrund zu sehen, hatte vergangenes Jahr Mitte Juni genau eine Blüte! Die Pflanze ist extrem wüchsig und sommergrün, ein ganz tolles Teil) und Scutellaria baicalensis. Letzte blüht in herrlichstem Blau, hat aber heuer irgendeinen Blattpilz (oder Trockenschaden?) erwischt und welkt etwas unschön vor sich hin.


Als robust hat sich auch Echinacea missouriensis entpuppt: Sein lockerer, etwas lagernder Wuchs fügt sich hervorragend in den Beetcharakter ein und hat sofort meine Sympathie geweckt; seine streberhaft aufrechten Echinacea-purpurea-Verwandten wirken da recht langweilig im Vergleich.


Wer Aussaat fürchtet, sollte sich Lein verkneifen - ich liebe diese blauen Blütchen, die aber nur für Frühaufsteher blühen und schon mittags welk zu Boden fallen. Die gezeigte Pflanze blüht nun seit Mai durchgehend!


Die Szenerie mitsamt Gewächshaus ist jeden Tag eine Freude. Wenn ich von zukünftigen Gärten träume, dann denke ich mittlerweile kaum mehr an herkömmliche Beete, sondern an ausgedehnte, mit sanften Hügeln modellierte Schotterbeete, auf denen Gräser im Wind wogen und in denen es summt und schwirrt - denn nicht nur ich mag diese Beete, auch die Insekten sind meiner Meinung.


Hier sieht man den notwendigen Rückschnitt, dazu kommt, dass besagter Salbei nun sogar eine zweite Blüte treiben wird. Wem die Samenstände gefallen - ja, da stimme ich zu, aber mein letztjähriges Bestehenlassen hat zu einer enormen Schwemme an Sämlingen geführt.


Schon den ganzen Winter war ich begeistert, nun bin ich es noch mehr: Achnatherum calamagrostis ist DAS Schotterflächengras, ich frage mich, weshalb es im öffentlichen Grün kaum zu sehen ist.


Hier die Kiesbeete, zur Erinnerung, sie sind nun noch nicht einmal zwei Jahre alt. Der Mohn im Vordergrund war nicht beabsichtigt, aber irgendwie hat er gut gepasst und die Bienen lieben ihn.


Detail mit Bergenie: Mit mehr Platz würde ich auch gerne mehr Bergenien unterbringen, sie blühen im Frühling hübsch und ihr herrlich dunkelgrünes Laub ist ein großartiger Kontrast zum Umliegenden Gewusel, in diesem Fall ist es Glaucium flavum, der gelbe Hornmohn, dessen langen Samenschoten wie der letzte Schliff an einen Blumenstrauß wirken.


Und ja, ich hätte sie gerne stehengelassen... aber man sieht schon die ersten Samen entwischen!


Detail mit Allium sphaerocephalon, Galium verum und Achnatherum calamagrostis.


Obwohl sie angeblich fetteren Boden bevorzugt ist die Morinia longifolia in meinem Schotterbeet ganz glücklich (man darf sie nur nicht berühren, denn sie stachelt fies). Links hinten das immer noch zierende Meum athamanticum var. turbith.


Galium verum mit Nepeta und Deschampsia gefällt mir sehr, es bringt wiesigen Charakter ins Beet. Allerdings wuchert es etwas; man sollte ihm robuste Partner zur Seite stellen. Und ich denke, es sät auch aus - also Obacht!


Mein Star im Moment ist ein großer Doldenblütler, der wie eine riesige, transparente Blütenwolke im Beet steht. Es ist Seseli pallasii, ein im käuflichen Topf unscheinbar gakeliges Etwas, das nun den ganzen Beetteil dominiert, von hunderten Insekten umschwirrt wird und einfach nur großartig ist.




Noch immer gilt eine uneingeschränkte Empfehlung für die Anlage solcher Beete!


Ich beantworte gerne Fragen zur Anlage. Und ein weiterer Hinweis: Wer besondere Blumenzwiebel bestellen möchte, sollte schnell sein, damit noch alle vorrätig sind! Meine Sammelbestellung ist schon rausgegangen :-).